Displaying Divorce – Gerichtlich dokumentierte Praktiken ehelicher Partnerschaftsauflösung im Zuge von Verschuldensscheidungen in Österreich
In meiner Dissertation habe ich mich mit Verschuldensscheidungen nach §49 des österreichischen Ehegesetzes beschäftigt. Auf Basis einer soziologischen Analyse von gerichtlichen Dokumenten durch qualitative Fallstudien stand die Frage im Mittelpunkt, wie Scheidungen in streitigen Scheidungsverfahren im 21. Jahrhundert verhandelt, legitimiert oder auch delegitimiert wurden.
Vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Perspektivenwechsels von Scheidung als Desorganisation von Familienbeziehungen hin zur Reorganisation von Familienbeziehungen habe ich in meinem Projektteil durch einen praxeologischen Zugang erforscht, welche alltäglichen Praktiken in Partnerschaften als ehezerstörerische Scheidungsgründe vorgebracht, verhandelt und anerkannt wurden.
Ich habe mich dabei vorerst mit den methodologischen Implikationen beschäftigt, die die soziologische Analyse von Gerichtsakten mit sich bringt. Danach habe ich meine Analyse den gesellschaftlichen und rechtlichen Normvorstellungen zu Partnerschaft gewidmet, die die Verhandlungen prägten und den Fokus darauf gelegt, welche Themen (z.B. Gesundheit, Sorgearbeit, Erwerbsarbeit, Geld, Konflikt- und Emotionsmanagement) in den Scheidungen verhandelt wurden und wie diese Themen vor Gericht problematisiert wurden.
